Wer im Schwarzwald unterwegs ist, schaut meist nach oben: zu den hohen Tannen, den Bergkuppen, den Aussichtspunkten. Dabei lohnt sich auch der Blick nach unten. Auf Wiesen, an Waldrändern und entlang der Wege wachsen zahlreiche Pflanzen, die seit Jahrhunderten als Heilkräuter geschätzt werden. Unsere Großeltern kannten sie noch gut – als Tee gegen Erkältungen, als Salbe für kleine Wunden oder einfach als würzige Zutat in der Küche.
In diesem Beitrag stellen wir Ihnen einige der bekanntesten Heilkräuter vor, die Sie rund um Loßburg entdecken können, und geben Tipps, worauf Sie beim Sammeln achten sollten.
Warum gerade der Schwarzwald?
Die Vielfalt an Lebensräumen macht den Schwarzwald zu einem idealen Standort für Kräuter. Sonnige Bergwiesen, feuchte Bachufer, lichte Waldränder und nährstoffreiche Wegsäume liegen oft nur wenige Schritte voneinander entfernt. Jede Pflanze findet hier ihren passenden Platz. Hinzu kommt eine lange Tradition: Bis weit ins 20. Jahrhundert war die Kräuterkunde fester Bestandteil des Alltags auf den abgelegenen Schwarzwaldhöfen, wo der nächste Arzt oft weit entfernt war.
Sieben Heilkräuter, die Sie kennen sollten
Spitzwegerich
Der Spitzwegerich wächst fast überall: an Wegrändern, auf Wiesen und sogar zwischen Pflastersteinen. Erkennbar ist er an seinen langen, schmalen Blättern mit deutlich sichtbaren Längsrippen. Er ist ein klassisches Hausmittel für unterwegs: Zerreibt man ein frisches Blatt zwischen den Fingern und legt es auf einen Insektenstich, wird das als lindernd empfunden. Als Tee oder Sirup wird er traditionell bei Husten verwendet.
Schafgarbe
Mit ihren weißen bis zartrosa Blütendolden und den fein gefiederten Blättern ist die Schafgarbe auf vielen Wiesen zu Hause. Sie blüht von Juni bis in den Herbst hinein und duftet würzig-aromatisch. In der Volksheilkunde gilt sie als Kraut für Magen und Verdauung.
Johanniskraut
Das Johanniskraut verdankt seinen Namen seiner Blütezeit rund um den Johannistag am 24. Juni. Seine leuchtend gelben Blüten färben sich beim Zerreiben rot. Hält man ein Blatt gegen das Licht, erkennt man winzige durchscheinende Punkte – ein sicheres Erkennungsmerkmal. Johanniskraut ist eines der bekanntesten Heilkräuter überhaupt, sollte aber mit Bedacht verwendet werden: Es kann die Wirkung von Medikamenten beeinflussen und die Haut lichtempfindlicher machen.
Brennnessel
Ja, die Brennnessel ist ein Heilkraut – und ein ziemlich vielseitiges dazu. Ihre jungen Blätter sind reich an Mineralstoffen und schmecken als Tee, in Suppen oder wie Spinat zubereitet. Traditionell wird Brennnesseltee zur Entwässerung getrunken. Tipp zum Sammeln: Mit Handschuhen pflücken. Durch Kochen oder Überbrühen verlieren die Brennhaare ihre Wirkung.
Löwenzahn
Was viele Gartenbesitzer ärgert, freut Kräuterkundige. Vom Löwenzahn lässt sich fast alles verwenden: Die jungen Blätter ergeben einen leicht bitteren Frühlingssalat, die Blüten einen goldgelben Sirup und die Wurzel einen Tee. Bitterstoffe gelten in der Volksheilkunde als anregend für die Verdauung.
Waldmeister
Im Frühjahr, etwa von April bis Mai, wächst der Waldmeister in schattigen Laub- und Mischwäldern. Seine quirlartig angeordneten Blätter und kleinen weißen Blüten sind leicht zu erkennen. Seinen typischen Duft entfaltet er erst, wenn er leicht angewelkt ist. Bekannt ist er vor allem als Zutat der Maibowle. Aber Vorsicht: In größeren Mengen kann der enthaltene Duftstoff Kopfschmerzen verursachen.
Arnika – bitte nur anschauen
Die Arnika mit ihren leuchtend orangegelben Blüten ist eine der berühmtesten Heilpflanzen der Bergwiesen und wird traditionell in Salben bei Prellungen und Verstauchungen verwendet. Im Schwarzwald wächst sie auf mageren, ungedüngten Wiesen in höheren Lagen. Weil diese Lebensräume selten geworden sind, steht die Arnika unter Naturschutz. Freuen Sie sich also über den Anblick – aber lassen Sie sie bitte stehen.
Kräuterkalender: Wann wächst was?
- Frühling (März bis Mai): junge Brennnessel- und Löwenzahnblätter, Waldmeister, Gänseblümchen
- Sommer (Juni bis August): Johanniskraut, Schafgarbe, Spitzwegerich, Holunderblüten
- Herbst (September bis Oktober): Hagebutten, Holunderbeeren, Löwenzahnwurzeln
Richtig sammeln: Darauf sollten Sie achten
- Nur sammeln, was Sie sicher erkennen. Einige Heilkräuter haben giftige Doppelgänger. Der Bärlauch etwa lässt sich mit dem giftigen Maiglöckchen oder der Herbstzeitlose verwechseln. Im Zweifel gilt: stehen lassen.
- Kleine Mengen für den eigenen Bedarf. Das Naturschutzrecht erlaubt es, wildwachsende Kräuter in geringen Mengen für den persönlichen Gebrauch zu pflücken – man spricht von der „Handstrauß-Regel“. In Naturschutzgebieten ist das Sammeln jedoch verboten.
- Geschützte Arten stehen lassen. Pflanzen wie die Arnika dürfen nicht gepflückt werden.
- Abseits von Straßen und Feldern sammeln. Kräuter von stark befahrenen Wegrändern oder frisch gedüngten Wiesen sind keine gute Wahl.
- Pfleglich ernten. Nehmen Sie nur einzelne Triebe und lassen Sie immer genug stehen, damit sich die Pflanze erholen kann.
Häufige Fragen
Darf ich im Schwarzwald einfach Kräuter pflücken?
Außerhalb von Naturschutzgebieten dürfen Sie nicht geschützte Kräuter in kleinen Mengen für den eigenen Bedarf sammeln. Privatgrundstücke, eingezäunte Wiesen und geschützte Arten sind tabu.
Ersetzen Heilkräuter einen Arztbesuch?
Nein. Heilkräuter können das Wohlbefinden unterstützen, sind aber kein Ersatz für ärztlichen Rat. Wer Medikamente einnimmt, schwanger ist oder unter Allergien leidet, sollte vor der Anwendung Rücksprache mit Arzt oder Apotheke halten.
Wie bestimme ich Kräuter sicher?
Ein gutes Bestimmungsbuch oder eine geführte Kräuterwanderung sind der beste Einstieg. Viele Orte im Schwarzwald bieten im Sommer Kräuterführungen an. Fragen Sie gerne an unserer Rezeption nach aktuellen Angeboten.
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